Aktien einfach erklärt

Aktien einfach erklärt: Erfahre in diesem Beitrag, was eine Aktie überhaupt ist und welche Vorteile Du als Aktionär hast.
Aktien einfach erklärt

Aktie einfach erklärt per Definition:

Eine Aktie ist ein Wertpapier und verbrieft Anteile an einer Aktiengesellschaft (AG). Durch den Kauf werden dem Anteilseigner bestimmte Rechte zugesprochen und er wird zum Miteigentümer. Die AG selbst verkauft Aktien für das Beschaffen von Eigenkapital. 

... und jetzt ein bisschen anschaulicher 😉:

Weißt Du, was ich früher dachte als ich meine ersten Schritte an der Börse machte?

Ich dachte, dass das Unternehmen Geld von mir bekommt, wenn ich deren Aktie an der Börse kaufe… und wenn der Aktienkurs aller emittierten Aktien im freien Handel steigt, dann hat das Unternehmen auch mehr Geld. 

Falsch gedacht.

Aktien und deren Handel am Sekundärmarkt (Börsen) haben nichts mit Fremdkapital für das Unternehmen selbst zu tun.

Was viele Börseneinsteiger auch heute noch nicht wissen, ist dass das Unternehmen ausschließlich bei der Herausgabe von Aktien Geld verdient – also entweder beim Börsengang oder bei der Herausgabe von neuen Aktien im Rahmen einer (ordentlichen) Kapitalerhöhung.

Da könnte man jetzt schlussfolgern, dass es dem Unternehmen ja egal sein kann, ob der Aktienkurs steigt oder fällt. Das ist jedoch in der Praxis nicht zutreffend, da das Unternehmen bei positiver Entwicklung des Börsenkurses eine gute Reputation genießt und ggf. neues, frischen Geld durch Kapitalerhöhungen einsammeln kann. Auch sind die Aktionäre zufriedener, wodurch das Management der Firma keine Befürchtungen haben muss, selbst durch Beschlüsse auf der Hauptversammlung abgesetzt und ausgetauscht zu werden.

Aufbau Aktiengesellschaft (AG)

Eine Aktiengesellschaft ist eine Kapitalgesellschaft, bei welcher das Grundkapital in Aktien zerlegt ist. Für die Gründung dieser Gesellschaftsform ist ein Grundkapital in Höhe von 50.000 Euro erforderlich. Bei der klassischen GmbH hingegen benötigt man nur 25.000 Euro – hat jedoch nicht die Möglichkeit Eigenkapital über die Börse einzusammeln. Hier heißen die Anteilseigner Gesellschafter und nicht Aktionäre – wie bei der Aktiengesellschaft. 

Das Grundkapital einer AG wird folglich in Aktien zerlegt. Dadurch entsteht die Möglichkeit, sich mit kleinen Beträgen an dem Unternehmen zu beteiligen. 

Übrigens ist es nicht zwingend notwendig, dass eine Aktiengesellschaft die Anteile (Aktien) an der Börse zum Handel frei gibt. In aktuellen Börsengängen ist oftmals zu beobachten, dass sich die Gründer die Aktienpakete mit den Stimmrechten für wichtigen Entscheidungen innerhalb des Unternehmens selbst sichern und nicht am Sekundärmarkt dem feien Handel zur Verfügung stellen. Doch zu den verschiedenen Arten von Aktien findest Du weiter unten dann mehr. 

Die Aufgabenverwaltung innerhalb der AG ist klar definiert. Es bestehen grundsätzlich 3 verschiedene Organe:

1. Hauptversammlung

Die Hauptversammlung ist das beschließende Organ der AG.

Sie besteht aus allen Aktionären der Gesellschaft.

Je nach der Art der Aktie (Stimmrecht) und dem Unternehmensanteil wird auf der Hauptversammlung das Stimmrecht für Beschlüsse und Satzungsänderungen vergeben. 

2. Vorstand

Der Vorstand leitet die Aktiengesellschaft eigenverantwortlich.

Er kann aus nur einer oder auch aus mehreren Personen bestehen. 

3. Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat bestellt, überwacht und entlässt den Vorstand. 

So wird beispielsweise der Jahresabschluss vom Vorstand aufgestellt und im folgenden Schritt durch den Aufsichtsrat geprüft. 

Die Aufsichtsratsmitglieder sind Vertreter der Anteilseigner und werden durch die Hauptversammlung gewählt. 

Arten von Aktien

Stammaktien und Vorzugsaktien

Stammaktien besitzen das Stimmrecht für Beschlüsse auf der Hauptversammlung, wodurch ein Aktionär die Möglichkeit hat, Entscheidungen der Unternehmensleitung mitzutragen oder dagegen zu stimmen. Dies kann nicht nur bei den klassischen Managemententscheidungen interessant sein, sondern auch bei der Entscheidungsfindung, ob denn eine Kapitalerhöhung oder ein Kapitalrückkauf durchgeführt wird und wenn ja, in welchem Umfang. 

Vorzugsaktien hingegen bieten keine Möglichkeit zur Teilnahme an Abstimmungen für die Mehrheitsfindung auf Hauptversammlungen. Dafür jedoch enthalten sie im Regelfall einen höheren Anteil an Unternehmensausschüttungen (Dividende) als Ausgleich. 

Je nachdem, weswegen Aktien erworben werden, greift der Investor daher entweder zu der einen oder zu der anderen Variante. Daher zieht der klassische Privatinvestor, der kein Interesse an einer Unternehmensübernahme oder Lenkung der Geschäftsentwicklungen hat, oftmals die Vorzugsaktien den Stammaktien vor.

Inhaberaktien und Namensaktien

Hier geht es um die Übertragbarkeit der Aktien.

Inhaberaktien sind einfach zu übertragen. Die Rechte und Ansprüche, die das Papier verbrieft, stehen dem zu, der sie besitzt. 

Namensaktien hingegen sind nicht ohne Weiteres so einfach wie die Inhaberaktien übertragbar, da eine Eintragung des Namens vom Aktionär ins Aktienregister erforderlich ist. 

Nennwert- und Stückaktien

Früher war es üblich, das Grundkapital einer Aktiengesellschaft in Nennwertaktien aufzuteilen. Bei diesem recht statischen Verfahren betrug der Nennwert einer Aktie dann häufig 1 Euro, was bei beispielsweise 50.000 Euro Grundkapital zu 50.000 Aktien führt. 

Heutzutage ist es üblich, eine Aktiengesellschaft in Stückaktien aufzuteilen. Diese haben keinen fixen Nennwert, sondern in Satzung der Aktiengesellschaft wird lediglich die Anzahl der Aktien festgelegt. Folglich bestimmt später beim IPO Angebot und Nachfrage die Höhe des eingesammelten Eigenkapitals. 

Wenn Du heute nach Aktien suchst, findest Du daher häufig in der Typenbezeichnung irgendwo das Kürzel o.N. – ohne Nennwert.

Junge und alte Aktien

Wenn eine Aktiengesellschaft Geld für Investitionen oder für das tilgen von Verbindlichkeiten benötigt, dann kann es eine Kapitalerhöhung durchführen, wenn die Mehrheit aller Aktionäre auf der Hauptversammlung dieser Maßnahme zustimmen.

Um Eigenkapital einzunehmen, werden neue (junge) Aktien ausgegeben. Die alten Aktien sind diejenigen, die bereits vor der Kapitalerhöhung vorhanden waren. Alle Inhaber der alten Aktien erhalten entsprechende Bezugsrechte anhand der Anzahl der gehaltenen alten Aktien für den Kauf von jungen Aktien, die neu auf den Markt kommen. Alternativ können diese Bezugsrechte bei Nichtausübung auch wieder wie Aktien an der Börse verkauft werden, was eine Art Ausgleich dafür darstellt, dass der eigene Anteil am Unternehmen verwässert wird, was oftmals einen leicht fallenden Aktienkurs vor einer Kapitalerhöhung impliziert. 

Die Emission oder auch Herausgabe und der Handel

Aktien und ETFs, die im Kern aus vielen Aktien bestehen, sind eben so beliebt, weil sie direkt und einfach über eine Börse gekauft und auch wieder verkauft werden können. Die Börsenplätze bilden den sogenannten Sekundärmarkt. Auf dem Primärmarkt hingegen werden Aktien und ETFs überhaupt erst geschaffen, was auch als Creation- und Redemption-Prozess bezeichnet wird. 

Primärmarkt

Auf dem Primärmarkt findet die Ausgabe (Emission) von Aktien statt, mit denen sich Aktiengesellschaften finanzieren und Eigenkapital beschaffen. Wenn ein Unternehmen erstmals Aktien ausgibt, spricht man auch vom IPO (Initial Public Offering). 

Wenn ein Unternehmen liquidiert wird, weil es in die Insolvenz geht oder sich von der Börse zurückzieht, dann geschieht auch dies auf dem Primärmarkt.

Spezialfall ETFs:

Wenn ein ETF auferlegt wird, dann sind die darin enthaltenen Aktien natürlich bereits an der Börse (auf dem Sekundärmarkt) verfügbar. Der Primärmarkt ist beim Handel mit ETFs ausschließlich sogenannten autorisierten Marktteilnehmern (APs) vorbehalten. 

Diese fungieren als Bindeglied zwischen dem Primärmarkt und dem Sekundärmarkt. Von der Fondsgesellschaft werden ETF-Anteile erworben, die dann an den Börsen weiterverkauft werden. Das funktioniert so auch in umgekehrter Reihenfolge: an der Börse erworbene Anteile können von APs an die Fondsgesellschaft zurückverkauft werden.

Alle ETF-Anteile, die der klassische Privatanleger „an der Börse sieht“, stammen ursprünglich aus diesen Primärmarkttransaktionen und wurden danach von den autorisierten Marktteilnehmern im Sekundärmarkt – also an der Börse – weiterverkauft. 

Sekundärmarkt

Wie oben bereits teilweise angesprochen, wird der klassische Handel von bestehenden Aktien und ETFs an den Börsenplätzen auch als Handel auf dem Sekundärmarkt bezeichnet. 

Warum das alles?

Hier gibt es 2 Seiten:

1. Die Aktiengesellschaft

Diese möchte Aktien herausgeben, um frisches Eigenkapital von Käufern für die Erreichung von Unternehmenszielen und Wachstum einzusammeln.

2. Der Anleger

Er möchte sein investiertes Kapital vermehren. 

Zum einen kann dies durch Kurssteigerungen geschehen (mehr Käufer als Verkäufer an der Börse) und zum anderen durch Ausschüttungen an die Aktionäre (Dividenden als Gewinnbeteiligung).

Praxisbeispiel Zalando 🙂

Wenn Du bei einem gängigen Finanzportal einfach „Zalando“ in die Suche eingibst, dann findest Du schnell folgende zwei Aktien:

Quelle: https://www.finanztreff.de/suche/

Jetzt solltest Du keine Fragezeichen mehr in Deinem Kopf haben, wenn Du beide Typenbezeichnungen der Aktien genauer untersuchst:

WKN ZAL111: Inhaberaktien ohne Nennwert

WKN ZAL1AD: Namensaktien ohne Nennwert

Bei den Namensaktien wird der Aktionär mit Namen, Geburtsdatum, Adresse sowie Stückzahl der Aktien im elektronischen Aktienregister eingetragen. Dadurch hat die Gesellschaft einen besseren Überblick über den Aktionärskreis und kann die Aktionäre direkt ansprechen, wenn es beispielsweise um den Versand von Hauptversammlungsunterlagen geht. 

Im Regelfall wird der klassische Aktionär jedoch immer zu den Inhaberaktien greifen, um die Dienstleistung von Clearstream für die Eintragung eines neuen Namens (…) nicht von seinem Broker in Form von Fremdspesen in Rechnung gestellt zu bekommen. Das sind oftmals nur Centbeträge doch wer kein Interesse an Hauptversammlungen hat, braucht das nicht. Auf der anderen Seite hat man jedoch ohne Eintragung auch tatsächlich kein Stimmrecht bei der Hauptversammlung. Der Anleger entscheidet also selbst, welche Option in Frage kommt. Aufgrund des Handelsvolumens und einem damit besseren Spread (Handelsspanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis) für den Erwerber, würde ich stets zu der Inhaberaktie greifen.

Zurück zu Zalando: 2013 wurde die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 2014 in die Form einer einer europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) – um an der Börse Eigenkapital einzusammeln. 

Im Rahmen des Börsengangs haben sich die Altaktionäre nicht von ihren Papieren getrennt, wodurch alle angebotenen Aktien aus einer Kapitalerhöhung kamen. 

Bei der Zalando SE waren es 24.476.223 platzierte Aktien zu einem Emissionspreis von 21,50 Euro, wodurch die Gesellschaft rund 526 Mio. Euro eingenommen hat.

Und da sich in jüngster Vergangenheit der Aktienkurs sehr gut entwickelt hat, steht einer künftigen Aufstockung des Eigenkapitals durch eine Kapitalerhöhung (falls Bedarf für weitere Expansion besteht) nichts im Weg. 

Wieso ich ETFs kaufe und kein Fan von Einzelwerten bin...

… um keinen Stress zu haben und den Zeitaufwand samt Risiko zu minimieren.

Auf die Zalando SE haben wir nur einen kleinen Blick geworfen, um zu sehen, was mit einem Börsengang möglich ist. Im Weiteren kann man jetzt Unternehmenszahlen auswerten, vergleichen und hochrechnen, was da in der Zukunft noch so alles unter bestimmten Bedingungen kommen mag. 

Stand gestern beispielsweise (18.06.2020) rauschte die Wirecard Aktie ins Bodenlose. Kurzfassung: Verdacht auf Bilanzbetrug. Ausgang offen. Alles möglich.

Nur auf dem elektronischen Parkett der Deutschen Börse (XETRA) sah das dann so aus:

Quelle: http://www.finanztreff.de/wirecard-historie

Von 99,50 Euro auf 39,90 Euro.

Minus 60 Prozent bei einem Handelsvolumen von fast 40 Millionen Euro an nur einem einzigen Tag.

Bei einem Konzern aus dem DAX – eines der 30 wertvollsten Unternehmen Deutschlands.

Und genau dieses Beispiel zeigt, wieso es so sinnvoll ist, mit einem ETF in Tausende Werte gleichermaßen mit nur einem einzigen Klick per monatlicher Sparrate zu investieren.

Risikostreuung. 

In meinem ETF ist Wirecard natürlich auch vertreten – doch es macht einen Unterschied, ob ich durch ein Direktinvestment in die Aktie von beispielsweise 10.000 Euro dann eben 6.000 Euro an einem Tag verliere oder mit dem ETF nur ein paar Cent, da noch viele weitere Unternehmen drin sind. 

ETF-Investoren verfolgen den neuesten Finanzkrimi jetzt wahrscheinlich auch – doch mehr aus Interesse an dieser unglaublichen Geschichte und weniger wegen Angst um die eigene Rente.

Allen Direktinvestoren wünsche ich trotzdem viel Glück und starke Nerven. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um sich der Vorteile von breit gestreuten und weltweiten ETFs bewusst zu werden. Le(e)hrgeld gehört an der Börse bekanntlich zum Erfolg dazu. Die einfache Abkürzung findest Du hier.

Stefan Wirth

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Über Stefan Wirth

Schön, dass Du hier bist! Meine Name ist Stefan und ich bin auf einer Mission: ich möchte Dir die Kontrolle über Deine Finanzen wieder in Deine eigenen Hände übergeben – ohne wenn und aber. Du kannst das am besten! Über 10 Jahre lang habe ich wertvolle Erfahrungen an der Börse und in Finanzinstituten gesammelt. Funktionierende Strategien möchte ich jetzt gern an Dich weitergeben. Viel Spaß damit!

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