Den richtigen ETF finden

Den richtigen ETF finden: Erfahre in diesem Beitrag, wie Du den richtigen ETF für Deinen Einmalanlagebetrag und Deine Sparrate findest.
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So sieht´s in der Praxis aus: … dass ETFs das Mittel der Wahl für den Vermögensaufbau mit eigenem Geld sein sollen, habe ich verstanden. Folglich gelangt man zu der Frage: Welchen ETF soll ich denn jetzt kaufen?

Diese einfachen Auswahlkriterien werden Dir helfen:

Wahl eines marktbreiten, weltweit diversifizierten Index

Bevor wir an die Feinheiten bei der Auswahl des richtigen ETFs gehen, sollte die Blickrichtung klar sein. Bereits hier können klassische Fehler direkt vermieden werden. Einer der beliebtesten Fehler ist das sogenannte „Home Bias“. Das bedeutet, dass Anleger gern Unternehmen aus dem Land kaufen, in dem sie auch wohnen – das wäre bei uns in Deutschland dann eben beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX. Da Deutschland jedoch im Vergleich zu anderen Ländern eine sehr unterdurchschnittlich entwickelte Aktienkultur hat, wird durch diese Heimatverbundenheit Jahr für Jahr auf Rendite verzichtet. Die Neigung dazu, in der eignen Heimat zu investieren, ist tatsächlich jedoch ein globales Phänomen. 

Wenn Du hingegen eine Anlagestrategie mit einem Index wählst, der nahezu alle Länder, Regionen, Branchen und Sektoren widerspiegelt, dann wirst Du auf lange Sicht eine bessere Performance im Depot erzielen als diejenigen, die auf einen spezifischen und damit eingeschränkten ETF setzen.

Hohes Volumen im ETF

Es sollte darauf geachtet werden, dass in börsengehandelten Indexfonds bereits ein hohes Volumen an investiertem Kapital ist. Dadurch wird sichergestellt, dass es kein Nischenprodukt ist, was eventuell in naher Zukunft wieder geschlossen wird. Das würde dann zu unnötigem Verwaltungsaufwand führen, wenn Du Dir ein neues Produkt aussuchen müsstest oder bei Schließung zum Tausch ein ETF eingebucht bekommst, das Du eigentlich nicht möchtest, weil es Deinen grundsätzlichen Anlagegedanken nicht entspricht. Daher investiere ich selbst nur in ETFs, die bereits mindestens 100 Mio. Fondsvolumen haben oder noch besser über der Grenze von 500 Mio. Euro oder Dollar liegen. 

TER - Total Expense Ratio

Die TER gibt Dir Auskunft über die jährliche Gesamtkostenquote eines ETF. Diese liegt im Regelfall bei Werten zwischen 0,10% und 0,80% pro Jahr. Umso spezifischer der ETF ist, desto weniger Gelder sind meistens investiert und umso teurer ist dann meist auch die TER. Die klassischen Brot-und-Butter ETFs der großen Anbieter mit hohem Fondsvolumen bilden da meist die Untergrenze und sind sehr kostengünstig im Unterhalt. Im Vergleich mit klassischen Fonds bleibt hier festzuhalten, dass grundsätzlich alle ETFs unschlagbar günstig sind. Auch wenn die TER einzelner Produkte natürlich verglichen wird, sind das auf lange Sicht keine Beträge, die über den Anlageerfolg entscheiden. Da ist die Höhe der Sparrate der ausschlaggebende Faktor. 

Ertragsverwendung

Du entscheidest, ob Du ein ETF kaufen möchtest, dass die Erträge aus Dividendenzahlungen direkt wieder reinvestiert (Thesaurierung) oder ob Du lieber regelmäßige Ausschüttungen dieser bevorzugst. 

Replikationsmethode

Entweder physisch replizierend – wobei alle Anteile, die im ETF enthalten sind auch tatsächlich im entsprechenden Verhältnis gekauft werden – oder SWAP-basierend – wobei der ETF-Anbieter Tauschgeschäfte mit einer Gegenpartei abschließt, die im Gegenzug dafür exakt die Rendite des zugrundeliegenden Basisindex liefert. Nach der letzten Steuerreform bleibt hier festzuhalten, dass die Wahl der Replikationsmethode keine nennenswerten Vorteile oder Nachteile mit sich bringt – es ist eher Geschmacksache des Anlegers. Üblicherweise werden Indizes, die leicht abzubilden sind, eher physisch repliziert und schwer zugängliche Märkte mit sehr vielen kleinen und speziellen Werten hingegen lieber SWAP-basiert, um die Kostenquote für den ETF-Käufer möglichst gering zu halten.

Alter des ETF

Auch ETF-Anbieter testen mit scheinbar im Trend liegenden Nischenprodukten oft den Markt. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein frisch aufgelegtes ETF nicht genügend Volumen einsammelt, somit nicht kostendeckend arbeitet und folglich wieder geschlossen wird. Wenn das ETF bereits 5 Jahre und länger am Markt ist, dann brauchst Du üblicherweise keine Bedenken haben, dass es in nächster Zeit wieder geschlossen wird. 

Sparplanfähigkeit

Wenn Du sinnvollerweise einen monatlichen Sparplan einrichten möchtest, dann sollte auch das Produkt der Wahl ein sparplanfähiges ETF sein. 

Domizil

Das Fondsdomizil spielt eigentlich keine übergeordnete Rolle. Trotzdem gibt es hier eine Feinheit zu beachten in Bezug auf die Besonderheit der US-Quellensteuer. Wenn Du nach den oben aufgeführten Kriterien bereits passende Produkte herauskristallisiert hast und in der finalen Auswahl bist, würde ich im nächsten Schritt stets ein ETF mit Fondsdomizil in Irland nehmen. Das hat den Vorteil, dass die Fondsgesellschaft die Hälfte der in den USA abgezogenen Quellensteuer wieder für sich beanspruchen kann und zurückerhält. Das gilt natürlich nur für tatsächlich physisch replizierende ETFs. Merke: Irland. 

Praxis: ETFs auf den MSCI ACWI Stand 08.05.2020

Und schon wird es konkreter. In dieser Übersicht würde bei mir direkt der in Luxemburg auferlegte ETF aus der dritten Spalte rausfliegen aus den oben genannten Gründen zur US-Quellensteuer.

Und danach muss man sagen: es kommt drauf an…

… auf das Preis-und Leistungsverzeichnis des Brokers, die dortige Handelbarkeit des ETF und natürlich auf die Höhe der monatlichen Sparrate.

Aus Vereinfachungsgründen betrachten wir einmal den Broker flatex:

SPDR A1JJTC:
ATC-Gebühr: 0,1%
Sparplan (pro Ausführung): 1,50€

iShares A1JMDF:
ATC-Gebühr: 0,18%
Sparplan (pro Ausführung): 1,50€

Xtrackers A1W8SB:
ATC-Gebühr: 0,5%
Sparplan (pro Ausführung): kostenlos

Wenn wir uns das über den entsprechendenden Broker (hier flatex) herausgesucht haben, dann kommt es nur noch auf die Höhe des Sparbetrages an. Wie Du oben siehst, existieren bei der Ausführung des monatlichen Sparplans fixe Kosten und variable Kosten – die sogenannten ATC (Additional Trading Costs). Die Kosten sind sehr gering doch kann hier die Auswahl des für die eigene Sparrate passenderen Produktes auf eine Sicht von beispielsweise 20 Jahren zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. 

Um hier rational sinnvolle Entscheidungen treffen zu können, habe ich ein ETF-Excel-Tool entwickelt, welches die Kostenstruktur der einzelnen Produkte in Bezug auf die Höhe der individuellen Sparrate vergleicht und das Ergebnis in einem einfachen Ampelsystem anzeigt. Für die folgenden Berechnungen, die natürlich keine zuverlässige Prognose künftiger Kursentwicklungen sind, nehmen wir eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent pro Jahr und einen Anlagehorizont von 20 Jahren an. Aus Vereinfachungsgründen betrachten wir nur die Sparrate und keinen Einmalanlagebetrag – was mit dem ETF-EXCEL-TOOL jedoch problemlos möglich und kombinierbar ist. 

Beispiel Sparrate 200 Euro

Beispiel Sparrate 500 Euro

Du erkennst, dass sich das Ampelsystem je nach Höhe der Sparrate verändert. Wenn bei kleineren Sparbeträgen ein relativ hoher (variabler) ATC noch nicht so sehr in´s Gewicht fällt, kippt dieses Verhältnis bei höheren Sparbeträgen und folglich sind mitunter fixe ATCs in Euro vorteilhafter. 

Fazit

Grundsätzlich fährst Du erstmal mit allen ETFs auf einen marktbreiten und weltweiten Index in die richtige Richtung. Das, was wir eben gemacht haben, sind schon Feinheiten. Wenn auch Du mit dem ETF-EXCEL-TOOL arbeiten möchtest und zudem einen klaren Schritt-für-Schritt Fahrplan suchst, dann melde Dich jetzt zu meinem Online-Kurs an (hier klicken!).

Stefan Wirth

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Über Stefan Wirth

Schön, dass Du hier bist! Meine Name ist Stefan und ich bin auf einer Mission: ich möchte Dir die Kontrolle über Deine Finanzen wieder in Deine eigenen Hände übergeben – ohne wenn und aber. Du kannst das am besten! Über 10 Jahre lang habe ich wertvolle Erfahrungen an der Börse und in Finanzinstituten gesammelt. Funktionierende Strategien möchte ich jetzt gern an Dich weitergeben. Viel Spaß damit!

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