Krisenzeiten, Pleiten und Sondervermögen – wie sicher sind meine ETFs?

Sicherheit bei ETFs: Erfahre in diesem Beitrag, ob Deine ETFs in Krisenzeiten von Insolvenzen bedroht sind und wieso Sondervermögen eine tolle Sache ist...
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Sondervermögen und ETFs - das Wichtigste kurz und kompakt:

Aus gegebenen Anlass, der Corona-Krise, fragen sich nun viele Anleger, ob der eigene ETF-Sparplan krisentauglich ist oder ob die angelegten Gelder im Falle einer Insolvenz des Anbieters betroffen sein könnten. Berechtigte Gedankengänge. Doch geht man der Sache nach, kann man aufatmen:

ETFs sind rechtlich gesehen Sondervermögen. Das bedeutet nichts anderes, als dass angelegte Gelder strikt getrennt sind vom Betriebsvermögen des ETF-Anbieters. Sollte es also zu einer Insolvenz des Emittenten (Herausgebers) kommen, ist das eigene Vermögen nicht in Gefahr, da es nicht Teil der Konkursmasse ist.

Definition Sondervermögen nach Kapitalanlagegesetzbuch:

"... inländische offene Investmentvermögen in Vertragsform, die von einer Verwaltungsgesellschaft für Rechnung der Anleger nach Maßgabe dieses Gesetzes und den Anlagebedingungen, nach denen sich das Rechtsverhältnis der Verwaltungsgesellschaft zu den Anlegern bestimmt, verwaltet werden."

KAGB

Klingt ein wenig kompliziert, ist jedoch ganz einfach. ETFs sind Sondervermögen und somit wird das Kapital der Anleger an einem von der Investmentgesellschaft unabhängigen Ort verwahrt. Dadurch ist das Anlagekapital vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft strikt getrennt. Sollte also die Investmentgesellschaft, die den ETF aufgesetzt hat, pleite gehen, dann sind die Gelder der Investoren in diesem ETF vor dem Zugriff der Gläubiger oder der Gesellschaft selbst per Gesetz geschützt.

Kein Ausfallrisiko ... mit einer kleinen Besonderheit

Grundsätzlich gibt es zwei übergeordnete Möglichkeiten, wie ein aufgesetzter ETF einen Index abbilden kann:

1. Variante: physische Replikation

Hier können Verluste durch die Insolvenz des ETF-Anbieters grundsätzlich ausgeschlossen werden.

2. Variante: synthetische Replikation durch Swaps

Die oben genannte kleine Besonderheit findet sich bei den Swap-ETFS. Der ETF-Anbieter kauft die Aktien nicht 1:1 wie im Basisindex physisch über die Börsen ein, sondern er führt ein Swap-Geschäft mit einem anderen Finanzinstitut durch, welches die Rendite des Basisindex liefert und Ausgleichszahlungen an den ETF-Anbieter leistet. Hierfür muss der Swap-Partner Sicherheiten hinterlegen, welche in der Praxis meist so hoch sind, dass überhaupt kein Ausfallrisiko besteht. Doch wenn man auf die Gesetzeslage pocht, dann ist der Tauschpartner sogar dazu verplichtet, dass der Swap nicht mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens ausmachen darf. In der Realität wird jedoch bereits viel früher das Tauschgeschäft zur Lieferung der Indexrendite durchgeführt, um Risiken rechtzeitig zu minimieren und das Trägerportfolio des Partners sogar umzustellen. Was bedeutet das nun für Dich? Bei einem Swap-ETF können im Falle einer Insolvenz maximal 10% Deines eingesetzten Kapitals verloren gehen.

Im Falle des Falles...

… einer Insolvenz oder einer Schließung eines ETF (weil es auch in meinen Augen zu viele Nischen-ETFs gibt, die zu klein sind), dann wird das vorab angekündigt und man kann verkaufen. Kursverwerfungen infolge einer Schließung wird es nicht geben, da der ETF ja einen Index abbildet, dessen Entwicklung nach festen Maßgaben berechnet wird. 

Die Alternative ist, dass Du in einem gewissen Tauschverhältnis ein anderes ETF des Anbieters vorgeschlagen bekommst – natürlich nur, wenn es keine Insolvenz ist. Das kannst Du dann annehmen oder ablehnen. 

Wenn man nichts tut, dann findet zum Schlusskurs des Schließungstages die Auszahlung statt. Erstmal alles kein Problem – doch dann muss natürlich ein neues Produkt ausgesucht werden, was Transaktionskosten verursacht. Diese sind sehr gering, fallen nicht wirklich ins Gewicht doch in Kombination mit einem gewissen Zeitaufwand für das Finden eines neuen ETFs doch ein wenig ärgerlich.

Daher vorab das ETF immer auf folgende Kriterien prüfen:

  • sehr breite oder besser weltweite Diversifikation
  • ETF existiert seit mindestens fünf Jahren
  • Auflegung durch einen großen und namenhaften Anbieter
  • Mindestvolumen des ETF: 100 Mio. Euro oder Dollar

Fazit

In Krisenzeiten, wenn die Stimmung an den weltweiten Aktienmärkten durch die Verkäufer dominiert wird, fragen sich viele Anleger zurecht, was überhaupt noch Sicherheit bringt. Hier habe ich eine klare Meinung: in meinen Augen ist das eigene Geld in ETFs am sichersten angelegt. Wohlgemerkt unter der Voraussetzung, dass man auf das Kapital für zehn Jahre und länger nicht angewiesen ist. Warum?

Weil in Finanzcrashs durch ETFs weltweite Firmenteile günstig eingekauft werden können. Auf lange Sicht wird das ordentlich Rendite einfahren. Doch leben wir in einer schnellen Welt, wo oftmals der notwendige Weitblick fehlt. Zudem zählen ETFs zum Sondervermögen der Anbieter, im Falle einer Insolvenz besteht also kein Ausfallrisiko wie beispielsweise bei Anleihen. 

Auch stelle ich mir die Frage, wie sicher mein Geld auf dem Tagesgeldkonto oder Girokonto ist: Laut Gesetz existiert eine Einlagensicherung bei Finanzinstituten bis zu maximal 100.000 Euro. Wer diesen vorangegangenen Satz mit Aufmerksamkeit gelesen und darüber nachgedacht hat erkennt: nicht ein einziger Euro ist sicher („bis zu“!). Wenn ein Finanzcrash also Finanzinstitute mit nach unten zieht und der Staat keine ausreichenden Finanzmittel zur Rettung hat, ist der vermeintlich sichere Hafen Tagesgeld plötzlich Risikofaktor Nummer 1. 

Gold? Als Beimischung gern – doch mit einem Goldbarren kann ich mir, wenn die Welt untergeht, auch nichts zu Essen im Supermarkt kaufen. Da würde ich tatsächlich einen marktbreiten ETF bevorzugen, wo ich notfalls auch binnen eines Tages an mein Geld komme und maximale Unabhängigkeit von einzelnen Instituten habe – kein Klumpenrisiko. 

Bleibt noch das Bargeld. Aktuell tobt sich die Corona-Krise an den Börsen aus und es geht hoch und runter. Verunsicherung. Grund genug, Bargeld abzuheben und für den Tag X unter das Kopfkissen zu legen. Denken viele. Ich nicht. Denn: Wenn eine Währungsumstellung (durch 2 oder durch 10) kommt, dann betrifft das Konten genauso wie Bargeld. Und sollte ein systemrelevantes Finanzinstitut pleite gehen und ich komme nicht mehr rechtzeitig an meine Gelder auf dortigen Konten, dann ist auch das Bargeld nicht mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. 

Von daher: Ruhe bewahren, bei ETFs bleiben, sich über günstige Einstiegskurse freuen, nachkaufen und wenn möglich die Sparrate sogar erhöhen.

Stefan Wirth

Stefan Wirth

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Über Stefan Wirth

Schön, dass Du hier bist! Meine Name ist Stefan und ich bin auf einer Mission: ich möchte Dir die Kontrolle über Deine Finanzen wieder in Deine eigenen Hände übergeben – ohne wenn und aber. Du kannst das am besten! Über 10 Jahre lang habe ich wertvolle Erfahrungen an der Börse und in Finanzinstituten gesammelt. Funktionierende Strategien möchte ich jetzt gern an Dich weitergeben. Viel Spaß damit!

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